Fünf Uhr Tee und Brexit Freie Zone - Zu Besuch im "English Tearoom" in Stuttgart

Feature von Schweden

Dauer: 11:20 Minuten

Audio-Nr: #4276

Inhalt: Was gehört eigentlich zu einer very british Teatime? In der Weißenburgstraße 29 führen Lynn und Christian Hazlewood, beide waschechte Londoner, den "English Tea Room". Für jeden haben Hazlewoods ein freundliches Wort, denn eine leidenschaftliche Teatime bedeutet immer auch Gespräch, Begegnung und Beziehung. Natürlich darf das Thema Brexit auch nicht fehlen. Herzliche Einladung zu einem akustischen Besuch im "The English Tearoom", let´s go!

Skript: Atmo: Straße, Vögel, darüber Text Ich: Adresse: Stuttgart, Weißenburgstraße 29, „The English Tearoom“, da weht sanft die britische und Europa Flagge über dem Eingang, an der weißen Türe ein Klopfer, den ich nicht benutze, ich werde erwartet zum Tee. (Türe öffnen) Lynn: Hallo, schönen guten Tag! Ich: Hallo, Andreas Fritz! Ich möchte hier gerne eine typisch "very british Teatime" erleben! Lynn: Sehr schön! Ich: Sie besitzen einen Teeladen, wenn sich jemand damit auskennt, dann Sie! Lynn: Dankeschön! Ich bin Lynn Hazlewood und zusammen mit meinem Mann Christian Hazlewood führen wir den English Tearoom in Stuttgart Ich: Gut, dann bin ich gespannt, was benötigen wir? Lynn: Sie brauchen eine hübsche Tasse und ihre hübsche Tasse steht schon für sie bereit. Den ersten Tasse habe ich auch schon aufgegossen. Wissen sie, es gibt ja so viele Ähnlichkeiten, man wird es nicht glauben, zwischen Wein und Tee. Und genauso wie beim Wein, trinkt man bestimmte Weine zu bestimmten Gerichten, trinkt man verschiedene Teesorten zu verschiedenen Bestandteilen des Afternoon Teas. Tschuldigung, habe nur die Uhr gesetzt. Ich habe ein gutes Gefühl dafür wenn der Tee fertig ist, aber weil ich oft etwas länger schwätze, als geplant, stelle ich mir lieber die Uhr. So jetzt schenken wir erst mal einen schönen schwarzen Tee ein, das ist unsere Afternoon Teemischung, in Wein würde das ein Cuve sein, das ist unsere eigene Blend Afternoontee, eine schöne Mischung aus Darjeeling und Assam. Also mit dem Tee fängts an, aber es gehört natürlich noch vie mehr dazu. Ich: Der hat ne schöne Farbe, schön braun Lynn: Das ist schon eine typische Afternoonteemischung, also wie.. wenn man schon in England im Urlaub gewesen ist weiß man schon der Tee in England ist schwarz und stark und man trinkt ihn mit Milch. Ich: Das ist derselbe Tee wie dieser? Wollen sie? Lynn: Genau, ich habe zweimal eingegossen. Ich trinke einen Schluck, gern. Zurück zur Teatime zu kommen, also zum Essen: Wir trinken Tee in England schon seit 1660. Und eine Dame des Adels, de duchess of bedford, sie kam auf die Idee nachmittags nicht nur Tee zu trinken, sondern Kleinigkeiten dazu anzubieten. Und de duchess of bedford, Annemarie Reynolds, sie ist bekannt als die Creator oder Inventor von Afternoon Tea, wie wir das heute genießen. Und damals, also der Raum war hübsch, vielleicht hat ein Orchester gespielt im Hintergrund, saß man auf einem Sofa oder Scheselong und man hatte einen kleinen Beistelltisch und auf diesem Beistelltisch kam dann ein Etager mit drei Tellern. Und dann zuerst unten, ein Etagere; Afternoontee ist ja sozusagen wie eine Mahlzeit in drei Gängen. Und der untere Teller ist immer mit Sandwiches - Mittel, also der zweite Teller kommen die Scones, das ist sozusagen ein Creamtea und dann ganz oben drauf hat man feine Süßigkeiten wie zum Bsp Eiklar oder Macarons oder Tartlets. Also man isst sich quasi durch diese drei Gänge von oben bis nach unten und das dauert schon so 2-3 Stunden bis man fertig ist und man trinkt natürlich viel Tees. Also die Füllungen für die Sandwiches sind auch meistens traditionell Gurke, muss dabei sein und für mich, was auch sehr wichtig ist, ein Hähnchen Gericht, coronation chicken, und ansonsten kann man flexibel sein, man könnte Lachs nehmen oder Käse und bei Afternoon Tea da nimmt man tatsächlich die Essenz eines Hauptgerichtes und tut das in ein Sandwiches. Und wir haben heute Gurke, und dann ein wintage cheddy käse mit chutney, coronation chicken und dann ein typisches britisches Sundaylunch Roastbeaf, aber nicht mit Yorkshire Pudding, sondern mit Mustard. Also das sind die vier Sandwiches, die wir heute zur Auswahl haben. Und wenn sie fertig sind mit den Sandwiches, oder während sie die Sandwiches essen, backe ich die Scones, die sind leicht süß, bis man die isst sind die sehr süß, denn man isst sie mit Marmelade und Clotted Cream, kennen sie Clotted Cream? Nein, das ist ja ganz was einmaliges, es kommt aus England und tradiotionell aus Devon, da muss ich nur kurz unterbrechen, denn da kommt gerade ein Kunde: Hallo! Kunde: Hallo! Lynn: Wie geht´s? Wir machen kurzes Radiogespräch über Afternoon Tea. Aber wir können, wenn sie es eilig haben... Kunde: Das wäre sehr nett, denn ich habe es tatsächlich eilig. Lynn: Ja! Sie haben es immer eilig Kunde: Das letzte mal und dieses mal nur, das nächste mal bringe ich mehr Zeit mit. Der hat mir sehr gut gefallen, der Indische grüne Tee, der gekreuselte. Lynn: Der gekreuselte, der aus Assam, der ganz neue... Kunde: Ja, der war sehr gut! Lynn: Ja... ich muss ja noch bestellen, da werden die nachproduzieren müssen, aber die werden sich sehr freuen, dass es gut ankommt. Wieviel hätten sie gern? Kunde: 100 Gramm Lynn: Sehr gern! Hat der ihnen besser geschmeckt als der Long.... (Musikstück darüber Text Ich): Ich sehe mich um.. ein Kleinod, very british, Blümchentapete, weiße Regale mit Teedosen goldene und helle, alle beschriftet, hübsch verziertes Geschirr, Marmeladengläser. Zwei weiße Barhocker stehen vor dem Tresen. Überhaupt spüre ich mich eingeladen und willkommen. Lynn Hazlewood trägt ihre Brille im Haar, um den Hals einen beigen Schal, passt gut zu ihrem knielangen dunkelblauen Wollkleid, sie nimmt eine Dose vom Regal, schaufelt etwas schwarzen Tee in ein Tütchen, wiegt ab, erkundigt sich nach dem Wohlergehen des jungen Mannes, was macht die Arbeit, alles gut? Man kennt sich. Der Raum ist schön ausgeleuchtet, neben der Kasse ein Postkartenständer, Schokoladentafeln und Kekse in Pappschachteln. (Gesprächsfortsetzung mit Lynn Hazlewood) Lynn: Kassenzettel? Dann noch einen schönen Tag! Dankeschön! Kunde: Ja, bis bald und noch ein gutes Interview wünsche ich ihnen. Lynn: Dankeschön, bis bald! So... wo waren wir stehengeblieben... waren wir.. bei den Scones und Clotted Cream. Man hat ein Scone, das sieht wie ein keines Brötchen aus und es ist warm, oder sollte warm sein, und das kommt ganz natürlich auseinander, und man hat zwei, zweimal die Hälfte, sozusagen, und dann kommt rote Marmelade Himbeer oder Erdbeere auf jede Hälfte und dann oben drauf ein ganz großer Klacks Clotted Cream, das ist sooo köstlich, dass kann ich sagen! Das sind die Scones und zuletzt, also mein Mann macht die Sandwiches, ich mach die Scones und dann haben wir noch eine ganz tolle franz. Freundin sie macht das professionell, sie backt die Macarons und die Tartlets und alles für uns und wir sind sehr froh, dass wir sie haben. Und zu den Tees, da trinkt man normalerweise einen leichten Tee zu den Sandwiches, vielleicht ein mittelkräftiger Schwarztee zu den Scones, und zu den ganz süßen Stücken am Schluss einen ganz kräftigen Schwarztee, den man ruhig mit Milch trinken könnte wenn man möchte. Und das sind sozusagen die verschiedenen Teile eines Afternoontees. Aber es geht ja darum, es geht darum Zeit zu nehmen, und sich zu entspannen, und wirklich mal nicht nur zu genießen sondern schön Gespräche zu führen mit denen man da ist und einfach mal sich die Zeit zu nehmen. (kurzes Musikstück) Text, Ich: Auf dem weißen Barhocker sitzt jetzt eine Kundin aus der Nachbarschaft, die Beine lässig übereinander geschlagen, nippt an einer Tasse mit grünem Tee. Schön grasig soll der schmecken. Christian Hazlewood ist eingetroffen, nimmt sich den zweiten Barhocker. Mich interessiert die Meinung des Londoner Ehepaares zum Brexit. Christian: Es wünsche mir, dass es nie passiert hat. Lynn: Nicht so wie es jetzt ist, aber wenn man die Uhr vielleicht um zwei 2 1/2 Jahre zurückdrehen könnte... Christian: Die Umstände sind jetzt komplett anders, das wird Jahrhunderte oder Jahrzehnte dauern bis es wieder heil ist. Das hat so eine Spaltung in unserer Gesellschaft verursacht, man kann das nicht so schnell vergessen, dass ist das Problem. Das ist immer wenn etwas passiert, man wünscht sich, dass es nie passiert hat, aber das ist nicht mehr möglich. Ich: Aber sie kennen bestimmt auch Leute im Bekanntenkreis, die durchaus dafür sind? Und sie diskutieren mit denen auch? Christian/Lynn: Ja! Wir reden nicht mehr mit denen (lachen) Kundin: Ihr kanntet sie Christian: Es ist so unglaublich, es ist wirklich schwarz weiß, es gibt keine.. ich könnte nicht befreundet sein mit jemandem der Brexit wählt, und das ist, es ist so... abartig für mich. Ich kann das nicht, es ist schwierig zu beschreiben. Meiner Meinung nach, die machen das Land kaputt und die sind der festen Meinung sie werden frei sein, frei, ich habe keine Ahnung was das eigentlich bedeutet, frei sein. Aber es gibt so viel Unsinn um Brexit, Brexit bedeutet Brexit, wenn man ein Wörterbuch schreibt mit Brexit bedeutet Brexit, Käse bedeutet Käse usw.. es bringt gar nichts. Das komische ist, es ist wie wenn jemand stirbt, es gibt Phasen. Am Anfang war ich wütend, dann traurig und jetzt habe ich alle Hoffnung aufgegeben, ehrlichgesagt, etwas wird passieren, weiß nicht genau was, niemand weiß was. Und, ich finde es letztendlich sehr schade. Es war gar nicht nötig. Ich glaube vor 2016 war es gar nicht so schlimm in Großbritanien, wenn man zurück schaut im Nachhinein, weswegen das alles, ich verstehe das gar nicht. (Musik, darüber Text Ich): Im English Tearoom herrscht Brexit Freie Zone. Ob der kommt oder nicht, mag hier niemand spekulieren. Ich verabschiede mich, manche bleiben tatsächlich 2-3 h und wollen gar nicht mehr gehen, erzählt Lynn und lächelt freundlich. Wir sind jetzt per Du, ich darf gerne wiederkommen – zu einer very british Teatime! (Atmo Türe schließt) (verwendete Musik: "Just do it" von Paul Mottram (von Audionetwork)
Gesendet in SWR2: 03.03.2019
Upload Datum: 24.02.2019

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Zum Autor: Andreas Fritz... noch neu hier... Radio-Feature sind klasse :)) Brötchen verdiene ich als Triebfahrzeugführer bei der Deutschen Bahn. Georges Perec ist mein Vorbild (Buch: Der Versuch einen Platz in Paris zu erfassen). Mit Aufnahmegerät, Notizblock ziehe ich los, notiere, was ich sehe, nehme auf, was das Mikrofon fängt. Texten, Basteln, Komponieren. Welches Projekt mache ich als nächstes?

Website: http://www.kopfkino-fritz.de

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